🔁Rückblick: Change ohne Kollateralschäden — ein Abend über Verlust, Abschied und Führung

Jeder Pivot ist ein Abschied. Jede Reorganisation eine Trennung. Jeder Exit ein Stück Identität, das geht. Als Unternehmer:innen produzieren wir laufend Verluste, die in keiner Bilanz auftauchen — und doch auf Kultur, Bindung und Umsetzungskraft wirken. Manchmal wird es ganz wörtlich: eine Mitarbeiterin stirbt, ein Mitgründer geht, ein Team zerbricht. Die wenigsten von uns haben dafür eine Sprache, geschweige denn eine Kultur.

Genau diesen blinden Fleck haben wir am 18. Juni in einer bewusst kleinen, vertrauten Runde geöffnet. Mit Chris Paul war eine der prägendsten Stimmen im deutschsprachigen Raum zum Thema Trauer und Verlust bei uns — kein Therapie-Setting, kein Esoterikvokabular, sondern ein präzises Modell, das auch für strukturiert denkende Köpfe funktioniert.

Was wir mitgenommen haben

Das Trauer-Kaleidoskop. Trauer verläuft nicht in Phasen, die man abarbeitet, sondern bewegt sich zwischen sechs Facetten — vom nüchternen Überleben und Anpassen über das Einordnen und die Gefühle bis zur Wirklichkeit des Verlusts. Besonders hängengeblieben ist die Facette „Verbundenbleiben”: Wir müssen nicht loslassen. Wir können wählen, womit wir verbunden bleiben — mit dem Wertvollen statt mit dem Schmerz. Gerade ambivalente und sogar belastende Bindungen, an schwierige Mitarbeitende oder längst überholte Arbeitsformen, tragen oft das größte Trauerpotenzial.

ADIEU — wie ein guter Abschied geht. Ein praktisches Modell, mit dem alle sofort etwas anfangen konnten: Annähern (sich noch einmal zuwenden, statt im Schweigen zu verschwinden), Danken, Irrungen ehrlich benennen, Erbe und Vermächtnis klären (was bleibt, wie begegnen wir uns künftig?), und dann erst Unterschiedliche Wege. Der Kern: Verantwortung bis zum Schluss halten — und den Leuten in die Augen sehen. Denn das Beschämendste an einem Abschied ist nicht das Ende, sondern nicht mehr angesehen zu werden.

Dazwischen lag echte Arbeit: ressourcenorientierte Selbsterfahrung in geschützten Zweiersettings, ehrlicher Austausch und eine Tiefe, die genau deshalb möglich war, weil wir zu wenigen waren. Ein Abend, der nachwirkt.

Ein persönliches Goodbye

Dieser Abend war für mich zugleich der letzte in meiner Rolle als Event Chair. Zwei Jahre lang durfte ich für unser Chapter Abende gestalten — und dass ausgerechnet ein Abend über Abschied mein eigener wurde, hat eine schöne Stimmigkeit.

Unser Anspruch war immer, dass jedes Member mindestens einmal im Jahr etwas wirklich Mehrwertbringendes mitnimmt — lieber viele dichte, kleine Formate zu treffenden Themen als wenige große. Ich glaube, an diesem Abend ist das noch einmal aufgegangen.

Danke an alle, die in den vergangenen zwei Jahren dabei waren, mitgestaltet, sich eingelassen und Vertrauen geschenkt haben. Und danke an Chris Paul für ihre Präsenz und Klarheit. Ich übergebe mit einem guten Gefühl — und bleibe, ganz im Sinne des Abends, verbunden.

Herzlich, Wolf

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